ars-et-saliva

 

david p. eiser

zeitraffer



spätsommer

 
 

alles, was sich in dieser woche zugetragen hat, ist wahrlich keines weiteren wortes wert. die tage flogen dahin
wie die schatten auf dem schotter der bahngeleise, wenn ein zug durch die vorstadt donnert, sein echo an den
lärmschutzwällen bricht und dahinrast, eingepfeilt auf den schienenstrang, kreischend, rauschend und mit einer
wucht, der nicht standzuhalten ist. trotzdem, kein weiteres wort. es war nur alltag. wie gestern und morgen.
   
die nächte sind schon kühl geworden. das thermometer zeigt nur acht grad in der frühe. fröstelnd stehe ich
morgens auf der terrasse, wiewohl die sonne aus einem strahlend blauen himmel scheint. tröstlich, dass es
schnell wärmer wird, sobald sie über die robinien hinweggestiegen ist und direkt in den garten strahlt, der
knistertrocken und lustlos vor sich hinbräunt.
   
sieben wochen ohne einen tropfen regen, das muss ein jahrhundertsommer gewesen sein. niemand kann
sich an eine solche hitzeperiode erinnern. wir werden noch lange davon schwärmen; von den abenden, die
wärmer waren als die sommertage früher, von den nächtelang surrenden ventilatoren, die vergeblich gegen
die brütende hitze in den schlafzimmern andrehten, und vom barfusslaufen, und von shorts und t-shirts, die
das bild auf den strassen bestimmten.

 
 

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© dpe
1994